Herzlich willkommen,
Vandana Shiva!

Im Umfeld der Bayer-Hauptversammlung am 25. Mai 2018 im World Congress Center in Bonn trat zum ersten Mal auch die indische Aktivistin Vandana Shiva auf. Bayer tritt seit jeher für Pluralität und Meinungsvielfalt ein und begrüßte Vandana Shiva daher in Deutschland. Zugleich nahmen wir den Besuch zum Anlass, einige der wichtigsten Aussagen der prominenten Globalisierungskritikerin auf den Prüfstand zu stellen.

Zur Person

Vandana Shiva wurde 1952 geboren und wuchs in Indien auf. Dort studierte sie Physik sowie zusätzlich Wissenschaftsphilosophie in Kanada. 1978 promovierte Shiva an der Philosophischen Fakultät der University of Western Ontario, Kanada, in Wissenschaftstheorie mit einer Arbeit zu Grundlagen der Quantenmechanik. Sie erhielt mehrere Ehrendoktorwürden.

Bekannt wurde Shiva im Westen als Umweltaktivistin, Feministin, Globalisierungskritikerin und Autorin zahlreicher Bücher, in denen sie sich kritisch mit der modernen Landwirtschaft, Gentechnik und Pflanzenschutzmitteln auseinandersetzt und den Bio-Landbau sowie kleinbäuerliche Wirtschaftsweisen propagiert. Sie wurde dafür unter anderem 1993 mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet.

Die Aktivistin ist für verschiedene Netzwerke und Nicht-Regierungsorganisationen aktiv. Dazu zählen unter anderem der Wissenschaftliche Beirat der Fundacion IDEAS der Sozialistischen Partei Spaniens, das International Forum on Globalization oder die Internationale Organisation für eine Partizipatorische Gesellschaft (IOPS).

Vandana Shiva tritt regelmäßig auf Veranstaltungen in aller Welt auf. In ihren Publikationen und Reden vertritt sie fundamentalistische Positionen und trifft häufig radikale Aussagen. 2016 war sie Mitglied des Organisationskomitees des International Monsanto Tribunal, einem inszenierten Treffen von Aktivisten und Monsanto-Kritikern in Den Haag.

Ihre wichtigsten Thesen werden nachfolgend einem Faktencheck unterzogen.

Shiva-These 1:
Gentechnisch veränderte Pflanzen sind gesundheitsgefährdend.

Shiva behauptet, der Verzehr von Nahrung aus gentechnisch veränderten Pflanzen könne Gesundheitsschäden verursachen. Shiva: „Es gibt jedoch genügend unabhängige Studien, die zeigen, dass Gentechnik-Nahrung Gesundheitsprobleme verursachen kann.“ Quelle

Fakt ist: Es gibt keine einzige Studie weltweit, die Shivas These stützen könnte. Ihre Behauptung gründet auf zum Teil längst zurückgezogenen oder widerlegten Studien bzw. Veröffentlichungen, die nicht dem wissenschaftlichen Konsens entsprechen. Vielmehr haben mehr als 280 wissenschaftliche Institutionen auf der ganzen Welt seit Jahrzehnten den Einfluss von gentechnisch veränderten Futter- und Nahrungsmitteln auf Mensch und Tier untersucht. Mehr als 2.000 Studien liegen hierzu vor. Sie kommen alle zum gleichen Ergebnis: Nahrungsmittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen sind sicher und gut verträglich. Quelle

Gentechnisch veränderte Pflanzen werden seit über 30 Jahren angebaut. Bis heute ist kein einziger Fall einer Gesundheitsschädigung aufgrund des Verzehrs von Lebensmitteln, die mit Hilfe gentechnischer Pflanzen hergestellt wurden, bekannt.

Eine Auswahl von Studien maßgeblicher Institutionen:

Einen Überblick über die allein von der Europäischen Union beauftragten Sicherheitsstudien finden Sie hier.

Fazit: Vandana Shiva ignoriert schlicht den wissenschaftlichen Konsens, der nach mehreren Jahrzehnten Forschung sowie praktischer Erfahrung mit gentechnisch veränderten Pflanzen herrscht.

Shiva-These 2:
Gentechnisch veränderte Pflanzen und Glyphosat verursachen Autismus.

Shiva behauptet, Pflanzen, die mit Hilfe von Gentechnik gezüchtet sind, und der Einsatz des Herbizids Glyphosat hätten zu einer „Explosion der Fälle von Autismus geführt“: „Nach Angabe der Centers for Disease Control (CDC) wird die Hälfte aller Kinder Amerikas im Jahr 2050 autistisch sein – die Hälfte!“
Quellen: New Yorker, link TV (video 0:16-0:30), Navdanya (Video 03:06-4:02)

Fakt ist: Die Centers for Disease Control (CDC), eine Behörde des Gesundheitsministeriums der USA, hat die Prognose, dass 2050 die Hälfte aller Kinder in den USA autistisch sein würden, niemals getätigt. Sie stammt vielmehr von der Computerwissenschaftlerin und Impfgegnerin Stephanie Seneff.
Quellen: Snopes, ANH USA

Glyphosat greift in einen nur bei Pflanzen, nicht aber bei Säugetieren bzw. dem Menschen vorkommenden Stoffwechselweg ein. Daher hat dieser Wirkstoff eine äußerst geringe Giftigkeit.

Neben den über 2.000 Studien, die es zur Sicherheit von gentechnisch veränderten Pflanzen gibt, liegen mehr als 3.000 wissenschaftliche Studien zur Risikobewertung von Glyphosat vor, aus denen sich die Sicherheit von Glyphosat für Mensch, Tier und Umwelt ergibt. Allein bei der Zulassung des Herbizids in Deutschland hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in seiner Sicherheits-Prüfung über 1.000 Studien berücksichtigt. Quelle

Fazit: Shiva ordnet eine Prognose einer falschen Quelle zu und stellt willkürlich einen Zusammenhang zwischen grüner Gentechnik, Glyphosat und Autismus her, der durch nichts zu belegen ist.

Shiva-These 3:
Glyphosat löst das Chronische Nierenversagen unbekannten
Ursprungs (CKDu) aus.

Shiva behauptet, dass es ausreichend wissenschaftliche Belege dafür gebe, dass Glyphosat das sog. Chronische Nierenversagen unbekannten Ursprungs (CKDu) auslösen würde. Quelle

Fakt ist: CKDu ist eine chronische Erkrankung der Niere, die in manchen Regionen der Erde gehäuft auftritt, z.B. in Sri Lanka, Ägypten, Mittelamerika und Indien. Und deren Ursache unbekannt ist. Im Januar 2014 veröffentlichte ein Team von Forschern aus Sri Lanka und den USA die These, die Erkrankung könne auf eine Kombination von Trinkwasserhärte, bestimmten Schwermetallen im Trinkwasser und der Belastung mit Glyphosat zurückzuführen sein. Glyphosat allein reiche jedoch nicht aus. Die Forscher formulierten lediglich eine Hypothese, ohne einen Beleg anzuführen. Quelle

Die National Academy of Sciences of Sri Lanka (NASSL) nahm dazu in einem Offenen Brief an die Zeitung „The Island“ vom 16. Juni 2014 wie folgt Stellung: „Wir kennen keinen wissenschaftlichen Beleg aus Sri Lanka oder international für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen CKDu und Glyphosat. Die überaus spärlichen Informationen zu Glyphosat in Sri Lanka zeigen nicht, dass der Glyphosatgehalt im Trinkwasser in den Regionen in der Nord-Zentralprovinz, in denen CKDu verbreitet ist, oberhalb der Grenzwerte gemäß internationalen Sicherheitsstandards liegt. Demzufolge fehlt es an wissenschaftlichen Daten zur Stützung der Behauptung, Glyphosat sei die Ursache für CKDu in der Nord-Zentralprovinz.“ Quelle

Eine gemeinsamen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der sri-lankischen Presidential Task Force for Prevention of Chronic Kidney Disease bestätigte 2016 nach der Konsultation von 54 Experten aus Asien, Australien, Europa, Kanada und Mittelamerika, der International Society of Nephrology, der Sri Lanka Society of Nephrology, der National Science Foundation (USA), zahlreichen internationalen Universitäten sowie öffentlichen und private Forschungseinrichtungen diese Klarstellung der National Academy of Sciences of Sri Lanka. Quelle

Neueste Forschungsergebnisse legen nahe, dass eine Belastung von lokalen Brunnen mit natürlich im Erdreich vorkommenden Ionen von Fluor in Kombination mit Kadmium und Magnesium die Nierenvergiftung hervorruft. Quelle

Das von der sri-lankischen Regierung 2015 aus Vorsorgegründen erlassene nationale Verbot der Anwendung von Glyphosat wurde im Mai 2018 für Tee- und Kautschukplantagen wieder aufgehoben. Quelle

Fazit: Shivas Behauptung, es gebe ausreichend wissenschaftliche Belege für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Glyphosat und CKDu ist falsch. Das Gegenteil ist der Fall.

Shiva-These 4:
Gentechnisch veränderte Baumwolle ist die Ursache für Selbstmorde indischer Bauern.

Shiva behauptet, in Indien hätten hunderttausende Bauern Selbstmord begangen, weil sie sich für den Kauf der patentgeschützten, gentechnisch veränderten Bt-Baumwollsaat enorm verschuldet hätten und die Ernteergebnisse auch noch überaus schlecht gewesen wären. Shiva: „300.000 indische Bauern haben Selbstmord verübt, gefangen im Teufelskreis von Verschuldung und Missernten, und 88 Prozent dieser Selbstmorde sind direkt auf die BT-Baumwolle von Monsanto zurückzuführen.“ Quellen: vandanashiva.com 1, vandanashiva.com 2, vandanashiva.com 3

Fakt ist: Es besteht nachweislich kein direkter Zusammenhang zwischen der Einführung gentechnisch veränderter Baumwolle und der Selbstmordrate bei indischen Bauern. Es ist darüber hinaus eine Tatsache, dass die Selbstmordrate unter indischen Bauern niedriger ist als unter Indern, die außerhalb der Landwirtschaft arbeiten.

Die Bt-Baumwolle, die durch einen gentechnischen Eingriff resistent gegen Fraßschädlinge ist, wurde 2002 in Indien eingeführt. Es kam in der Folgezeit weder in den Baumwoll-Anbaugebieten noch in Indien insgesamt zu einer signifikanten Veränderung der Selbstmordraten. Im Gegenteil: In den Bundesstaaten Madhya Pradesh und Karnataka, die zu den wichtigen Baumwollanbaugebieten zählen, sank sie sogar. Und in Gegenden, in denen die Selbstmordrate hoch blieb, wurde gar keine Baumwolle angebaut.
Quellen: IFPRI, Project Muse

Die Einführung der Bt-Baumwolle war in Indien ein Erfolg. In den Jahren 2009/2010 überschritt die Anbaufläche von gentechnisch veränderter Baumwolle dort erstmals die Marke von 10 Millionen Hektar, mit anderen Worten: Bt-Baumwolle wuchs auf 87 Prozent der indischen Baumwollfelder. Quelle

Die Anzahl der indischen Bauern, die Bt-Baumwolle anbauen, wuchs von 50.000 im Jahr 2002 auf bereits 6,3 Millionen im Jahr 2010. Im Jahr 2016 setzten 7,2 der knapp 8 Millionen indischen Baumwoll-Anbauern auf eine der zahlreichen gentechnisch veränderten Baumwollsorten. Darunter sind überwiegend Kleinbauern, denn die Durchschnittsgröße der indischen Baumwollfarmen beträgt ca. 1,5 Hektar. Obwohl das Saatgut für Bt-Baumwolle teurer ist als konventionelles, erzielen die Bauern höhere Gewinne. Denn ihre Erträge sind signifikant höher und sie müssen weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen, was Zeit und Kosten spart. Quelle

Fazit: Shiva operiert mit falschen Zahlen und behauptet aus der grundsätzlichen Ablehnung der grünen Gentechnik eine nicht vorhandene Ursache-Wirkung-Beziehung.

Shiva-These 5:
Die Grüne Revolution hat die Produktivität der Nahrungsmittelproduktion in Indien verringert.

Shiva behauptet, die Grüne Revolution, also die Einführung von ertragreichem Saatgut in Kombination mit Pflanzenschutz- und Düngemitteln, habe die Nahrungsmittelproduktivität in Indien nicht erhöht, sondern verringert. Shiva: „Die Grüne Revolution hat Indien nicht von Hungersnöten befreit, wie die Verfechter der industriellen Landwirtschaft und Gentechnik behaupten würden, im Gegenteil, die Grüne Revolution hat Indiens Produktion verringert.“
Quellen: vandanashiva.com, India Today

Fakt ist: Die Grüne Revolution begann in Indien in den späten 1960er Jahren und erhöhte die Produktivität so stark, dass Indien von einem Nahrungsmittelimportland zu einem der inzwischen erfolgreichsten Reisexporteure der Welt geworden ist. Quelle

Die Grüne Revolution begann zunächst in der Punjab-Region mit neuem Weizen und dehnte sich ab den 1980er Jahren auf weitere Nutzpflanzen, insbesondere Reis, und auf das ganze Land aus. Während sich die indische Bevölkerung fast verdoppelte, konnte im gleichen Zeitraum die Getreideproduktion verdreifacht werden, wobei nur rund 30 Prozent mehr Fläche in Anspruch genommen wurde.
Quellen: Policy Dialogue, PNAS

Schon 1968 hatte eine Studie ergeben, dass ein am Internationalen Reisinstitut (IRRI) entwickelter neuer Typ Reis, der sog. IR8-Reis, einen Ertrag von bis zu 10 Tonnen pro Hektar möglich machte. Das war das Zehnfache der Ernte, die mit dem zuvor in Indien angebauten Reis erzielt werden konnte. Quelle

Der IR8-Reis revolutionierte den Reisanbau. Manche Eltern in Indien haben ihren Söhnen den Namen IR8 gegeben.

Glen Gregorio, ehemaliger Abteilungsleiter am Internationalem Reisforschungsinstitut IRRI Quelle

Fazit: Shiva stellt pauschal ein falsches Bild dar, das in ihr Weltbild passt, ohne dies mit Argumenten und Zahlen begründen zu können.

Shiva-These 6:
Gentechnisch veränderte Pflanzen lösten die SARS-Epidemie aus.

Shiva behauptet, die SARS-Epidemie sei durch gentechnisch veränderte Pflanzen ausgelöst worden, die an Vieh verfüttert werden. Bei der gentechnischen Veränderung seien Virusgene verwendet worden, die in den Tieren zur Bildung des SARS-Coronavirus geführt hätten. Quelle

Fakt ist: Die Krankheit SARS, das Schwere Akute Respiratorische Syndrom, wird durch das SARS Coronavirus ausgelöst und wurde im November 2002 erstmals in der chinesischen Provinz Guangdong beobachtet. Es führt zu hohem Fieber, schwerem Husten, Atemnot und einer Entzündung der Lungen. Die Epidemie erfasste schließlich 26 Länder, mehr als 8.000 Menschen erkrankten und rund 900 starben daran.

Nur: Die Erkrankung hat aber einen gänzlich anderen Ursprung als von Shiva behauptet: Verantwortlich für eine Infektion sind Hufnasen-Fledermäuse.
Quellen: Nature, Plos

Fazit: Shivas Behauptung ist frei erfunden.

Shiva-These 7:
Der Goldene Reis hat keinen Gesundheitsnutzen und dient nur dem Profit.

Shiva behauptet, der sog. Goldene Reis sei nutzlos und ein rein kommerzielles Projekt. Shiva: „Goldener Reis ist 350 Prozent weniger effizient für die Versorgung mit Vitamin A als die Biodiversitäts-Alternativen, die Frauen anzubieten haben. Die Rechte am Goldenen Reis liegen bei Syngenta.“ Quelle

Fakt ist: Der durch gentechnische Veränderung entwickelte Goldene Reis ist eine effiziente Quelle für Vitamin A und könnte den global verbreiteten Vitamin A-Mangel dauerhaft bekämpfen. Von Vitamin-A-Mangel sind gegenwärtig 250 Millionen Menschen betroffen, darunter 40 Prozent der unter 5-jährigen Kinder in Entwicklungsländern, die daran erblinden oder sterben können.
Mehr als 100 Nobelpreisträger haben sich 2016 für den Goldenen Reis ausgesprochen und an Organisationen wie Greenpeace und Aktivisten wie Shiva appelliert, nicht weiter seine Einführung zu verhindern. Quelle

Syngenta hat alle Rechte aus Patenten, die zur Herstellung und Kultivierung des Goldenen Reis benötigt werden, ebenso wie die entsprechenden Reislinien an das gemeinnützige Golden Rice-Projekt abgegeben.
Quellen: Golden Rice Project 1, Golden Rice Project 2

Fazit: Shivas Kampf gegen den Goldenen Reis kann nicht mit Fakten begründet werden und ist letztlich verantwortungslos.

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