Ist Glyphosat krebserregend?

Seit 1974 auf dem Markt, ist Glyphosat das am weitesten verbreitete und bestuntersuchte Herbizid der Welt. Es wird hauptsächlich in der Landwirtschaft eingesetzt, um Felder vor der Aussaat von unerwünschtem Pflanzenbewuchs zu befreien. Nicht nur im Boden baut es sich schnell ab. Auch bei Mensch und Tier werden Rückstände in kurzer Zeit über die Leber ausgeschieden. Wichtig zu wissen: Das Herbizid nimmt auf einen Stoffwechselweg Einfluss, der nur in Pflanzen und Mikroorganismen vorkommt.

Seit mehr als 40 Jahren stufen Behörden und wissenschaftliche Institute in mehr als 160 Ländern Glyphosat als sicher und damit nicht krebserregend ein. Dazu gehören unter anderem

  • die US-amerikanische Umweltschutzbehörde EPA
  • die Australische Behörde für Pestizide und Tierarzneimittel
  • die brasilianische Gesundheitsbehörde (ANVISA)
  • das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
  • die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)
  • die Europäische Chemikalienagentur (ECHA)
  • die Japanische Kommission für Lebensmittelsicherheit
  • das kanadische Gesundheitsministerium (Health Canada)
  • die Koreanische Verwaltung für ländliche Entwicklung
  • die Umweltschutzbehörde von Neuseeland
  • das FAO/WHO-Gremium für Rückstände von Pestiziden u.v.m..

Allein das BfR hat bei seiner Einschätzung mehr als 1.000 wissenschaftliche Studien berücksichtigt.

Einstufung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC)

Im März 2015 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein – abweichend von der eigenen bisherigen Einstufung.

Mit der Einstufung in die „Kategorie 2A: wahrscheinlich krebserregend“ wird ausgedrückt, dass es begrenzte Hinweise auf ein erhöhtes Gefährdungspotenzial gibt, aber auch nicht auszuschließen ist, dass die der Bewertung zugrunde gelegten Krebsfälle andere Ursachen hatten. In dieselbe Kategorie stuft die IARC neben Glyphosat auch heiße Getränke über 65 Grad Celsius, rotes Fleisch, Schichtarbeit und den Friseurberuf ein.

Eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien, die Bewertungen der Zulassungsbehörden auf der ganzen Welt und jahrzehntelange Praxiserfahrungen bestätigen hingegen die Sicherheit von Glyphosat.

Langzeitstudie mit 50.000 Personen

Eine der mehr als 800 Sicherheits-Studien zu Glyphosat stammt aus der Agricultural Health Study (AHS). Diese Studie untersucht seit 25 Jahren fortlaufend Landwirte aus Iowa und North Carolina, die regelmäßig Pflanzenschutzmittel verwenden. Sie wird mit öffentlichen Geldern finanziert; die Forscher arbeiten am nationalen Krebsinstitut (National Cancer Institute), dem National Institute of Environmental Health Sciences, für die Umweltbehörde (Environmental Protection Agency) sowie am nationalen Institut für arbeitsmedizinische Forschung (National Institute for Occupational Safety and Health), alles staatliche Einrichtungen in den USA.

Die Studie wurde von der US-Regierung in Auftrag gegeben um herauszufinden, welchen Einfluss landwirtschaftliche Praktiken, Lebensstil und genetische Faktoren auf die Gesundheit von Landwirten und ihre Familien haben.

Anhand der Daten wurden inzwischen verschiedene Auswertungen durchgeführt, um einen möglichen Zusammenhang zwischen der Anwendung spezifischer Mittel und verschiedenen Krebserkrankungen sowie anderen Gesundheitsschädigungen zu untersuchen. Die Studie beinhaltete eine Verlaufsbeobachtung von rund 50.000 Anwendern von Pflanzenschutzmitteln, darunter 45.000, die regelmäßig Glyphosat anwenden. Es wurde kein Zusammenhang zwischen der sachgerechten Anwendung von glyphosatbasierten Herbiziden und dem Non-Hodgkin-Lymphom oder anderen Krebsarten nachgewiesen.

Da es bei der Studie um den Einsatz glyphosathaltiger Endprodukte ging, entkräftet sie auch Vermutungen, dass die in den Produkten enthaltenen Zusatzstoffe Krebs auslösen könnten.

Von der IARC wurde diese Studie nicht zur Bewertung von Glyphosat herangezogen, da sie zum Zeitpunkt der Abfassung des IARC-Endberichts noch nicht publiziert war.