Ist Glyphosat krebserregend?

Im März 2015 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein – abweichend von der eigenen bisherigen Einstufung.

Mit der Einstufung in die „Kategorie 2A: wahrscheinlich krebserregend“ wird ausgedrückt, dass es begrenzte Hinweise auf ein erhöhtes Gefährdungspotenzial gibt, aber auch nicht auszuschließen ist, dass die der Bewertung zugrunde gelegten Krebsfälle andere Ursachen hatten. Zu beachten ist zudem, dass es dabei immer um Glyphosatbelastungen am Arbeitsplatz eines Landwirts, nicht etwa um die Aufnahme sehr geringer Mengen durch Nahrungsmittel ging. In dieselbe Kategorie stuft die IARC neben Glyphosat übrigens auch heiße Getränke über 65 Grad Celsius, rotes Fleisch, Schichtarbeit und den Friseurberuf ein.

Wichtig ist: Die IARC bewertet ausschließlich das grundsätzlich mögliche Gefährdungspotenzial einer Substanz. Anwendungsgebiet, verwendete Dosis oder direkter Kontakt spielen bei dieser Bewertung keine Rolle. Die IARC trifft keine Aussage über den konkreten Zusammenhang einer angeblichen krebserregenden Wirkung und der sachgerechten Anwendung des Pflanzenschutzmittels.

Eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien, die Bewertungen der Zulassungsbehörden auf der ganzen Welt und jahrzehntelange Praxiserfahrungen bestätigen hingegen die Sicherheit von Glyphosat.

Mehr als 800 Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Glyphosat sicher angewandt werden kann. Die Gruppe der National Institutes of Health (NIH) in den USA hat dies kürzlich erneut bestätigt. Die US-amerikanische Umweltbehörde EPA, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, die Europäische Chemikalienagentur ECHA und alle anderen Zulassungsbehörden auf der ganzen Welt kommen ebenfalls zu dem Schluss, dass Glyphosat bei sachgerechter Anwendung sicher und „nicht krebserregend“ ist. Auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kommt zu diesem Ergebnis. Es hat bei seiner Einschätzung mehr als 1.000 wissenschaftliche Studien berücksichtigt.

Langzeitstudie mit 50.000 Personen

Eine der mehr als 800 Sicherheits-Studien zu Glyphosat stammt aus der Agricultural Health Study (AHS). Quelle Diese Studie untersucht seit 25 Jahren fortlaufend Landwirte aus Iowa und North Carolina, die regelmäßig Pflanzenschutzmittel verwenden. Sie wird mit öffentlichen Geldern finanziert; die Forscher arbeiten am nationalen Krebsinstitut (National Cancer Institute), dem National Institute of Environmental Health Sciences, für die Umweltbehörde (Environmental Protection Agency) sowie am nationalen Institut für arbeitsmedizinische Forschung (National Institute for Occupational Safety and Health), alles staatliche Einrichtungen in den USA.

Die Studie wurde von der US-Regierung in Auftrag gegeben um herauszufinden, welchen Einfluss landwirtschaftliche Praktiken, Lebensstil und genetische Faktoren auf die Gesundheit von Landwirten und ihre Familien haben.

Anhand der Daten wurden inzwischen verschiedene Auswertungen durchgeführt, um einen möglichen Zusammenhang zwischen der Anwendung spezifischer Mittel und verschiedenen Krebserkrankungen sowie anderen Gesundheitsschädigungen zu untersuchen. Die Studie beinhaltete eine Verlaufsbeobachtung von rund 50.000 Anwendern von Pflanzenschutzmitteln und landwirtschaftlichem Personal sowie deren Partnern, darunter 45.000, die regelmäßig Glyphosat anwenden. Es wurde kein Zusammenhang zwischen der sachgerechten Anwendung von glyphosatbasierten Herbiziden und dem Non-Hodgkin-Lymphom nachgewiesen. Quelle

Da es bei der Studie um den Einsatz Glyphosathaltiger Endprodukte ging, entkräftet sie auch Vermutungen, dass die in den Produkten enthaltenen Zusatzstoffe Krebs auslösen könnten.

Von der IARC wurde diese Studie nicht zur Bewertung von Glyphosat herangezogen, da sie zum Zeitpunkt der Abfassung des IARC-Endberichts noch nicht publiziert war. Quelle