Warum der Kampagne von Campact & Co.
die Fakten fehlen

Ein Aktivistenzusammenschluss von Campact und Umweltinstitut München richtet sich in einer aktuellen Kampagne gegen die Einführung neuer Insektizide. Diese „Bienenkiller“ hätten „eine verheerende Wirkung“. Zu den kritisierten Substanzen gehört unter anderem der Bayer-Wirkstoff Flupyradifurone. Wirkstoffe wie diese auf den Markt zu bringen, sei „angesichts des Insektensterbens verantwortungslos“.

Werfen wir aus aktuellem Anlass doch mal einen Blick auf die Fakten

Im Gegensatz zum Eindruck, den das Aktivistenbündnis hier einmal mehr erweckt, sind die Gründe für den Rückgang von Insekten nach Ansicht erfahrener Bienen- und Insektenexperten vor allem auf den Rückgang von Lebensräumen, Nistplätzen und Nahrungsquellen zurückzuführen.

Das neue Pflanzenschutzmittel Sivanto™ prime mit dem Wirkstoff Flupyradifurone, das zum Schutz von Obst, Gemüse, Wein und Hopfen gegen Blattläuse und andere Schädlinge entwickelt wurde, ist ein sicheres Produkt: Dies haben umfangreiche wissenschaftliche Studien, Untersuchungen unabhängiger Labore und Feldversuche sowie Erfahrungen aus der Praxis belegt. Bei sachgerechter Anwendung ist Sivanto prime™ für Bestäuberinsekten wie Honigbienen und Hummeln ungefährlich. Ein zusätzlicher ökologischer Vorteil von Sivanto prime™: Das Produkt kann in Kombination mit Nützlingen oder biologischen Pflanzenschutzmitteln eingesetzt werden, was der Entwicklung von Resistenzen bei den Schadinsekten entgegenwirkt.

Im Rahmen der behördlichen Zulassungsverfahren, beispielsweise in Kanada, den USA, Mexiko, Brasilien, China und Australien, wo dieses Pflanzenschutzmittel bereits erfolgreich auf dem Markt ist, wurde die Produktsicherheit umfassend geprüft und bestätigt.

Fazit: Die Kampagne diskreditiert ein Produkt mit Behauptungen, für die keinerlei Belege geliefert werden und die sich bei einem Blick auf die Fakten als haltlos erweisen.

Interview mit Dr. Ralf Nauen

Ralf Nauen

Dr. Ralf Nauen erklärt, warum Sivanto prime™ sicher und für Bienen unschädlich ist. Nauen arbeitet als Chief Scientist in der Division Crop Science von Bayer.

Herr Nauen, wie geht es Ihnen als Forscher, wenn Sie so eine Kampagne von Campact und Umweltinstitut gegen Pflanzenschutzmittel sehen?

Ralf Nauen: Es stimmt mich nachdenklich, dass man die Öffentlichkeit gezielt verunsichert und mit unhaltbaren Aussagen, die jedweder wissenschaftlichen Grundlage entbehren, der deutschen Landwirtschaft und letztlich auch den Verbrauchern Schaden zufügt, indem man neue fortschrittliche Mittel ohne Not diskreditiert. Eine solche Kampagne, geführt ohne sachliche Argumente, halte ich persönlich für verantwortungslos der Gesellschaft gegenüber. Glauben Sie mir, dass ich als Verbraucher, Naturliebhaber und Vater mehrerer Kinder ebenfalls ein hohes Interesse an der Sicherheit von Pflanzenschutzmitteln habe!

Konkret richtet sich die Kampagne ja gegen die Einführung bestimmter neuer Pflanzenschutzmittel in Deutschland, unter anderem des Produkts Sivanto™ prime von Bayer. Campact führt eine Studie der Universität Würzburg an. Wie bewerten Sie als Wissenschaftler dieses neue Pflanzenschutzmittel sowie die Würzburger Studie?

Ralf Nauen: Ich kann sagen, dass Sivanto ein Paradebeispiel dafür ist, dass wir in der Forschung bei Bayer höchsten Wert auf die Sicherheit von Pflanzenschutzmitteln legen. Denn ich habe selber an der Erforschung und Entwicklung dieses Wirkstoffs über Jahre wissenschaftlich mit gearbeitet. Sivanto ist ein sicheres Produkt: Dies belegen umfangreiche wissenschaftliche Studien, Untersuchungen unabhängiger Labore und Feldversuche sowie Erfahrungen aus der Praxis. Aufgrund dieser Tatsache wurde dieses Pflanzenschutzmittel schon vor Jahren von der US-amerikanischen Umweltbehörde als Insektizid mit besonders niedrigen Risiken eingestuft und beschleunigt zugelassen. Tatsächlich kommt auch die Studie der Universität Würzburg zu dem gleichen Ergebnis, denn die Schlussfolgerung der beiden Autorinnen lautet: Sivanto ist bei sachgerechter Anwendung sicher für Honigbienen.

Gilt das auch für angebliche Effekte auf das Gedächtnis und die Lernfähigkeit von Honigbienen?

Ralf Nauen: Selbstverständlich, die Mengen, die üblicherweise im Feld ausgebracht werden, führen nachweislich zu keinerlei Effekten, die das Gedächtnis oder die Lernfähigkeit von Honigbienen beeinträchtigen. Dazu muss man wissen, dass die Würzburger Forscherinnen den Wirkstoff in – laut eigener Aussage – hohen und damit unrealistischen Konzentrationen an Honigbienen getestet haben, um überhaupt Effekte zu sehen. Dies ist aber nicht in die landwirtschaftliche Praxis übertragbar, was die Forscherinnen der Universität Würzburg fairerweise in ihrer Studie bestätigen. Entsprechend haben sie auch in niedrigeren, realistischen Dosierungen überhaupt keine verhaltensändernden Effekte bei Honigbienen gefunden.

Wie steht es damit, dass Sivanto systemisch wirkt, d.h. sich in der ganzen Pflanze verteilt?

Ralf Nauen: Ja, durch die Spritzanwendung dringt das Mittel zum Teil in die behandelte Pflanze ein und verteilt sich dort gleichmäßig. Und das ist eine unbedingt gewünschte Eigenschaft, weil dadurch saugende Schadinsekten wie beispielsweise Läuse effizient abgewehrt werden können. Denn diese haben es auf den Pflanzensaft abgesehen und würden dafür Blätter oder Stängel einer ungeschützten Pflanze anstechen. In der Folge würde die Pflanze wegen der Übertragung von Viren verfärben oder verkrüppeln, in vielen Fällen einfach absterben.

Führt dies aber nicht dazu, dass die Pflanze für alle Insekten „toxisch“ ist, weil sich Sivanto eben überall ablagert?

Ralf Nauen: Nein. Denn Sivanto lagert sich nicht einfach in der Pflanze ab. Sie müssen sich den Wirkmechanismus so vorstellen: Der Wirkstoff wird zügig dorthin transportiert an, wo die saugenden Insekten die Pflanze schädigen würden, entfaltet seine Wirkung und wird anschließend abgebaut. Auch von den entstehenden Metaboliten, das sind die Abbauprodukte des Wirkstoffs, geht – und das wissen wir sehr genau – keine Gefahr für Bienen aus. Sie zeigen keinerlei akute Wirkung, d.h. sie sind nachweislich nicht toxisch für Bienen.

Wie sieht es mit anderen Insekten aus? Beispielsweise mit Schmetterlingen und Hummeln?

Ralf Nauen: Das entscheidende an unserem neuen Wirkstoff ist, dass er sehr wohl zwischen saugenden Schadinsekten wie Blattläusen oder Weißen Fliegen und Honigbienen und Hummeln Unterschiede macht. Wir Forscher sagen dazu: er ist selektiv. Das hat etwas mit den besonderen Eigenschaften des Wirkstoffs zu tun wie auch mit den Abbaumechanismen in den jeweiligen Organismen bzw. den dafür verantwortlichen Enzymen. Abgesehen davon wird Sivanto, anders als behauptet, gar nicht gegen Motten und schädliche Schmetterlingsraupen eingesetzt. Einzige relevante Ausnahme ist die Kaffeeminiermotte, ein gefürchteter Schädling, der Kaffeeplantagen beispielsweise in Brasilien massiv gefährdet.

Viele Menschen machen sich ja um die Bienen sorgen. Können Sie daher noch etwas genauer erklären, warum Sivanto nicht schädlich für Bienen ist?

Ralf Nauen: Wie viele andere chemische Substanzen sowie natürliche Stoffe bindet der Wirkstoff Flupyradifurone an die sogenannten Nikotinischen Rezeptoren des Nervensystems eines Insekts. Unser neuer Wirkstoff hat allerdings andere besondere, vorteilhafte Eigenschaften im Hinblick auf die Aufnahme, die Verteilung und den Abbau im Bienenkörper. Zum einen wird nur eine sehr geringere Menge des Wirkstoffs von der Biene überhaupt aufgenommen. Zum anderen, und das ist noch wichtiger, wird das, was aufgenommen wird, „auf dem Weg“ durch den Bienenkörper zum Nervensystem „verstoffwechselt“ – sprich: abgebaut. Das bedeutet: Der Wirkstoff erreicht gar nicht oder in nicht relevanten Konzentrationen das Nervensystem. Und was dort doch noch ankommt, wird vom Organismus der Biene durch ein spezielles Enzym – das Schadinsekten so nicht haben – unschädlich gemacht und anschließend ausgeschieden.

Sehen das die Zulassungsbehörden auch so?

Ralf Nauen: Ja. Zulassungsbehörden weltweit haben bestätigt: Das neue Bayer-Insektizid ist bei sachgerechter Anwendung sicher für den Anwender, den Verbraucher und die Umwelt, vor allem was Honigbienen und zahlreiche andere Bestäuberinsekten angeht. Aus diesem Grund wird Sivanto auch aller Voraussicht nach in Deutschland als „Bienen ungefährlich“ eingestuft.

Beruhen diese Ergebnisse nicht ausschließlich auf Studien von Bayer?

Ralf Nauen: Nein, schon allein aus Kapazitätsgründen sind wir bei Bayer nicht in der Lage, alle Studien selbst durchzuführen. Als Wissenschaftler suche ich vor allem auch den Kontakt mit anderen renommierten Arbeitsgruppen – und umgekehrt –, um Themen gemeinsam zu bearbeiten und offene Fragen zu beantworten. Ein großer Teil der für den Zulassungsprozess erforderlichen Studien kommt von externen, staatlich anerkannten und unabhängigen Laboren, die nach internationalen Standards der sogenannten Good Laboratory Practice, also einer sachgerechten, guten Laborpraxis, arbeiten.

Was sind zusammengefasst die Vorteile von Sivanto?

Ralf Nauen: Neben seiner Sicherheit vor allem die Eignung für den Integrierten Pflanzenschutz. Beispielsweise kann Sivanto aufgrund seiner Selektivität mit biologischen Strategien zur Schädlingsbekämpfung, das heißt dem Einsatz von Nützlingen wie Marienkäfern, Schwebfliegen, Florfliegen oder Raubmilben, kombiniert werden. Das hilft, der Ausbreitung von Resistenzen entgegenzuwirken, und das ist ein für mich als Wissenschaftler ganz wichtiger Punkt.

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