Behauptungen rund um Glyphosat –
was sagt Bayer dazu?

Im August 2018 hat das Urteil einer kalifornischen Jury zu einer weiteren Intensivierung der öffentlichen Diskussion über die Sicherheit von Herbiziden auf Basis des Wirkstoffs Glyphosat geführt. An dieser Stelle nimmt Bayer Stellung zu Behauptungen, die im Zuge der Debatte um glyphosatbasierte Pflanzenschutzmittel aufgetreten sind. Für Bayer stehen die Sicherheit seiner Produkte sowie das Wohl der Menschen, die diese anwenden, an oberster Stelle. Das Urteil der Jury in diesem Fall und die Entscheidung der zuständigen Richterin im Rahmen der sogenannten „Post-Trial Motions“ vom 22. Oktober 2018 stehen im Widerspruch zur Gesamtheit der wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie der praktischen Erfahrungen aus mehr als 40 Jahren sicherer Anwendung. Bayer wird daher Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil einlegen. Lesen Sie im Folgenden die detaillierte Stellungnahme zu den erhobenen Behauptungen und Vorwürfen rund um Glyphosat.

Behauptung: „Glyphosat ist krebserregend und verursacht u. a. das Non-Hodgkin-Lymphom.“
Glyphosatbasierte Herbizide wurden in den vergangenen 40 Jahren von Aufsichtsbehörden in über 160 Ländern als sicher eingestuft. Alleine die US-Umweltschutzbehörde EPA hat für ihr letzte Überprüfung im Jahr 2017 mehr als 800 Studien zu Glyphosat ausgewertet und bestätigt, dass das Produkt bei sachgemäßer Anwendung sicher und nicht krebserzeugend ist.

Zahlreiche Forschungsinstitute sowie Untersuchungs- und Zulassungsbehörden auf der ganzen Welt kommen immer wieder zum gleichen Ergebnis. Dazu gehören unter anderem

  • die Australische Behörde für Pestizide und Tierarzneimittel
  • das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
  • die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
  • die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)
  • die Europäische Chemikalienagentur (ECHA)
  • die Japanische Kommission für Lebensmittelsicherheit
  • die Kanadische Behörde für Schädlingsbekämpfungsmittel
  • die Koreanische Verwaltung für ländliche Entwicklung
  • die Umweltschutzbehörde von Neuseeland
  • die US-amerikanische Umweltschutzbehörde
  • das FAO/WHO-Gremium für Rückstände von Pestiziden u.v.m..


In der größten jemals durchgeführten epidemiologischen Studie, der im Jahr 2018 im Journal of the National Cancer Institute veröffentlichten U.S. Agricultural Health Study, wurde ebenfalls kein Zusammenhang zwischen der sachgerechten Anwendung von glyphosatbasierten Herbiziden und dem Non-Hodgkin-Lymphom nachgewiesen. Die Studie beinhaltete eine Verlaufsbeobachtung von rund 50.000 Anwendern von Pflanzenschutzmitteln und landwirtschaftlichem Personal sowie deren Partnern über mehr als 20 Jahre.

Wir empfinden tiefes Mitgefühl für den Kläger, Herrn Johnson, und seine Familie, doch glyphosatbasierte Herbizide sind nicht für seine Krebserkrankung verantwortlich.

Behauptung: „Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagt, dass Glyphosat krebserregend sei.“
Glyphosat wurde in vier verschiedenen WHO-Programmen bewertet. Drei der WHO-Programme (das Joint FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues, das International Programme on Chemical Safety und die Guidelines for Drinking-Water Quality) haben übereinstimmend mit Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt festgestellt, dass Glyphosat bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sicher ist und dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht.
Die einzige Ausnahme bildet die internationale Krebsforschungsagentur (International Agency for Research on Cancer, IARC). Sie untersucht allerdings gar nicht, ob ein Stoff bei der Anwendung im Alltag Krebs erzeugt, sondern lediglich, ob er grundsätzlich dazu in der Lage ist. Die IARC stuft auch rotes Fleisch und heiße Getränke als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.

Behauptung: „Monsanto wurde für ,schuldig‘ befunden, Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit Glyphosat zu verbergen.“
Es handelte sich hier um ein erstinstanzliches Urteil in einem Zivilprozess, in dem es um eine Frage der Haftung (nicht um Schuld oder Unschuld) ging. Bayer wird Berufung einlegen, denn die Entscheidung steht im Widerspruch zur Gesamtheit der wissenschaftlichen Erkenntnisse über Glyphosat.

Behauptung: „Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat ist einer nachhaltigen Landwirtschaft nicht zuträglich.
Glyphosat ist ein sicheres, effizientes und etabliertes Mittel für Landwirte, um Ernten zu sichern. Ohne Glyphosat wäre die Unkrautbekämpfung schwieriger und weniger nachhaltig – Landwirte müssten mehr pflügen, was den Boden und damit die Biodiversität schädigt. Wer für mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft ist, müsste sich für Glyphosat einsetzen, anstatt den Ausstieg zu fordern. Darüber hinaus würde ein Verlust von Glyphosat zu weiteren Wettbewerbsnachteilen deutscher Landwirte gegenüber der europäischen und internationalen Konkurrenz führen.

Behauptung: „Die Sicherheit von Glyphosat wird schon seit vielen Jahren infrage gestellt.“
Die nationalen Aufsichtsbehörden in mehr als 160 Ländern bewerten das Sicherheitsprofil von Glyphosat seit Jahrzehnten und stellen einheitlich fest, dass glyphosatbasierte Produkte bei sachgerechter Anwendung sicher und nicht krebserregend sind.

Gerichtlich angefochten wurde die Sicherheit von Glyphosat im Wesentlichen erst nach der IARCStellungnahme aus dem Jahr 2015. Damals fingen Klägeranwälte in den USA an, die IARC-Stellungnahme als Grundlage für Werbung zu verwenden, um Mandate zu gewinnen.

Behauptung: „Monsanto bezahlte Blogger und andere Online-Aktivisten, um Wissenschaftler zu diskreditieren.“
Diese Behauptung ist schlicht falsch, und die Mitarbeiter haben dies unter Eid bezeugt. Wir nehmen die Sicherheit unserer Produkte sehr ernst. Sollten wir bemerken, dass in den Medien falsche oder irreführende Informationen verbreitet werden, suchen unsere Mitarbeiter den Dialog und bringen unsere Sicht der Dinge ein – offen und transparent. Wir stellen wissenschaftliche Genauigkeit in den Mittelpunkt. Wir möchten sicherstellen, dass jeder – von Aufsichtsbehörden über Kunden bis hin zu den Verbrauchern – über genaue und ausgewogene Informationen verfügt, um Entscheidungen über unsere Produkte treffen zu können.

Behauptung: „Monsanto hinderte ein Labor namens TNO daran, eine zusätzliche Untersuchung durchzuführen, da Monsanto ein negatives Ergebnis befürchtete.“
Diese Behauptung ist falsch. Die hier angesprochene TNO-Studie war mangelhaft. TNO räumte diese Mängel in seinem Bericht ein und teilte mit, die Untersuchung sei nicht für die Einreichung von Zulassungsanträgen geeignet.

Behauptung: „Monsanto hat wissenschaftliche Evidenz zurückgehalten, die einen möglichen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs zeigte.“
Bayer hat keine Anhaltspunkte dafür, dass Monsanto wissenschaftliche Ergebnisse zurückgehalten hat. Wir bewegen uns in einer stark regulierten Branche und konzentrieren uns auf die Durchführung belastbarer wissenschaftlicher Studien, die notwendig sind, um die Zulassung zum Inverkehrbringen von Produkten zu erhalten, die sowohl sicher als auch wirksam sind. Fundiertes wissenschaftliches Handeln steht im Mittelpunkt unserer Aktivitäten.

Monsanto führte in Bezug auf Glyphosat mehr Studien zu verschiedenen Sicherheitsaspekten (Genotoxizität, dermale Absorption, Immuntoxizität, akute Toxizität und andere Faktoren) durch, als für die Erlangung und Aufrechterhaltung der Zulassungen erforderlich gewesen wären. Darüber hinaus ist Monsanto nur einer von vielen verschiedenen Herstellern von glyphosatbasierten Herbiziden. Der weit überwiegende Teil der wissenschaftlichen Erkenntnisse, die die Sicherheit von Glyphosat untermauern, stammt aus anderen Quellen, z.B. von unabhängigen Forschungsinstituten.

Behauptung: „Monsanto organisierte eine Kampagne, um eine Zeitschrift dazu zu veranlassen, einen ungünstigen Bericht über Glyphosat zurückzuziehen.“
Die betreffende Abhandlung von Gilles-Eric Seralini aus dem Jahr 2012 wies gravierende Mängel in der Analyse auf, und zahlreiche Mitglieder der wissenschaftlichen Gemeinschaft, darunter auch Monsanto-Wissenschaftler, äußerten gegenüber dem Herausgeber der Zeitschrift berechtigte Bedenken. Am Ende lag die Entscheidung, die Abhandlung zurückzuziehen, allein bei der Zeitschrift. Die Aufsichtsbehörden – und sogar die IARC – teilten die Ansicht, dass es sich bei der Abhandlung um eine mangelhafte Publikation handelte.

Behauptung: „Wissenschaftler von Monsanto waren, Ghostwriter‘ von Sicherheitsstudien über Glyphosat.“
Diese Behauptung ist falsch. Die Klägeranwälte greifen aus mehr als 15 Millionen Dokumentenseiten, die während des sog. Discovery-Verfahrens, d.h. der Herausgabe von Dokumenten wie z.B. E-Mails an die Gegenseite, herausgegeben wurden, einzelne E-Mails heraus, um die wissenschaftlichen Aufzeichnungen und die Rolle von Monsanto verzerrt darzustellen. Die von den Klägern hervorgehobenen E-Mails bezogen sich auf von Monsanto finanzierte Übersichtsartikel – also auf Sekundärliteratur und nicht auf Originalstudien oder Forschungsergebnisse. Die Finanzierung durch das Unternehmen sowie eine etwaige Beteiligung von Monsanto-Wissenschaftlern werden in jedem Artikel vorschriftsmäßig offengelegt. Darüber hinaus haben die Autoren dieser Übersichtsartikel in Übereinstimmung mit den Aussagen der Monsanto-Wissenschaftler jede Unterstellung von Ghostwriting zurückgewiesen.

Insgesamt waren Wissenschaftler von Monsanto nur an einem Bruchteil der überwältigenden wissenschaftlichen Forschungsaktivitäten zu Glyphosat beteiligt. Alle Studien, die zu Zulassungszwecken eingereicht werden, müssen nach den international anerkannten Standards der Guten Laborpraxis durchgeführt und Routineprüfungen unterzogen werden.

Behauptung: „Dieses Gerichtsurteil könnte die Zulassungen von glyphosatbasierten Produkten gefährden.“
Die erstinstanzliche Entscheidung ändert nichts an den strengen wissenschaftlichen Untersuchungen und Daten, die ergeben haben, dass Glyphosat bei bestimmungsgemäßer Verwendung sicher und nicht krebserregend ist. Es ändert in keiner Weise die hinter jeglichen Produkten stehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse oder deren Registrierungsstatus. Zahlreiche Aufsichtsbehörden, einschließlich des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung, haben diesen Sachverhalt nach der IARC-Bewertung geprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass Glyphosat sicher eingesetzt werden kann und nicht krebserregend ist.

Behauptung: „Es gibt eine als ‚entlarvend‘ bezeichnete E-Mail einer Monsanto-Wissenschaftlerin, in der sie schreibt, sie könne nicht sagen, dass Roundup keinen Krebs verursache.“
Das ist falsch. Aus dem vollständigen Text der E-Mail, anderen Dokumenten und allen Zeugenaussagen geht deutlich hervor, dass Monsanto nicht glaubte oder vermutete, dass Roundup oder der Wirkstoff Glyphosat krebserregend seien.

Behauptung: „Monsanto ignorierte den Rat von Dr. James Parry, zusätzliche Studien über glyphosatbasierte Formulierungen durchzuführen.“
Das ist falsch. Zwar hat Dr. Parry anfänglich Fragen zur genotoxischen Wirkung von Roundup aufgeworfen, doch nachdem Monsanto die von ihm vorgeschlagenen zusätzlichen Studien und weitere Analysen durchgeführt hatte, stimmte er voll und ganz mit Monsanto überein, dass die Effekte künstlich und unter realen Bedingungen nicht relevant waren. Die Ergebnisse der zusätzlichen Studien von Monsanto wurden im Journal of Agricultural and Food Chemistry veröffentlicht. Dies steht im Einklang mit den Erkenntnissen von Experten der Aufsichtsbehörden weltweit, die zu dem Schluss kommen, dass Glyphosat und glyphosatbasierte Formulierungen als nicht mutagen oder genotoxisch einzustufen sind.

Behauptung: „Glyphosatbasierte Formulierungen wurden nicht auf Karzinogenität untersucht.“
Umfangreiche Daten zeigen, dass glyphosatbasierte Formulierungen nicht krebserregend sind. Sowohl der Wirkstoff Glyphosat als auch die Tenside, die in den Formulierungen verwendet werden, wurden ausgiebig untersucht und als nicht krebserregend eingestuft. Zusätzliche Tests auf akute Toxizität, Gentoxizität, Immuntoxizität, dermale Absorption usw. werden am formulierten Produkt durchgeführt. Darüber hinaus wurde auch in der U.S. Agricultural Health Study aus 2018 kein Zusammenhang zwischen glyphosatbasierten Herbiziden und Krebs nachgewiesen. Diese Studie untersuchte die praktische Anwendung von formulierten Produkten und nicht nur des Wirkstoffs Glyphosat.