Behauptungen rund um Glyphosat –
was sagt Bayer dazu?

Im August 2018 hat das Urteil einer kalifornischen Jury zu einer weiteren Intensivierung der öffentlichen Diskussion über die Sicherheit von Herbiziden auf Basis des Wirkstoffs Glyphosat geführt. An dieser Stelle nimmt Bayer Stellung zu Behauptungen, die im Zuge der Debatte um glyphosatbasierte Pflanzenschutzmittel aufgetreten sind. Für Bayer stehen die Sicherheit seiner Produkte sowie das Wohl der Menschen, die diese anwenden, an oberster Stelle. Das Urteil der Jury in diesem Fall steht im Widerspruch zur Gesamtheit der wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie der praktischen Erfahrungen aus mehr als 40 Jahren sicherer Anwendung. Bayer hat daher Rechtsmittel gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegt. Lesen Sie im Folgenden die detaillierte Stellungnahme zu den erhobenen Behauptungen und Vorwürfen rund um Glyphosat.

Behauptung: „Glyphosat ist ein Grund für das Bienensterben.“
Es gibt bis heute keine unter realistischen Bedingungen durchgeführte Studie, die einen Zusammenhang zwischen Glyphosat und einer Schädigung der Gesundheit von Honigbienenvölkern nachweist. Daran ändert auch eine jüngst im US-Wissenschaftsmagazin PNAS veröffentlichte Studie nichts. Diese verknüpft den Einsatz von Glyphosat mit Problemen der Darmflora bei Honigbienen, ohne zu belegen, dass diese angeblichen Effekte sich tatsächlich unter realistischen Bedingungen negativ auf die Gesundheit von Bienenvölkern auswirken könnten. Ebenso ist es fraglich, ob die getesteten Konzentrationen des Mittels im Freiland tatsächlich von Bienenvölkern über relevante Zeiträume aufgenommen werden können. Gleichzeitig bleiben frühere Arbeiten des Forscherteams unberücksichtigt, nach denen vor allem Antibiotika, die von Imkern in Bienenstöcken verwendet werden, die Ursache für veränderte Darmmikroben-Gemeinschaften bei Honigbienen seien.

Zudem stützen sich die Ergebnisse der Studie auf die Beobachtung einer relativ geringen Zahl von einzelnen Bienen. Eine realistische Einschätzung, inwieweit die beobachteten Effekte tatsächlich unter Praxisbedingungen schädigend sein könnten, ist hingegen nur durch die Beobachtung ganzer Bienenvölker unter Feldbedingungen möglich.

Im Gegensatz zur aktuell diskutierten Untersuchung basieren regulatorische Studien zur Zulassung von Pflanzenschutzmitteln auf den strengen internationalen Richtlinien der OECD und anderer internationaler Organisationen und gewährleisten damit die Berücksichtigung sämtlicher Eckpunkte, die für den Schutz von Honigbienen relevant sind.

Behauptung: „Glyphosat ist krebserregend und verursacht u. a. das Non-Hodgkin-Lymphom.“
Glyphosatbasierte Herbizide werden seit 40 Jahren sicher angewendet. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Glyphosat, darunter mehr als 800 Studien, die von verschiedenen Unternehmen sowie unabhängigen Wissenschaftlern durchgeführt wurden, untermauern die sichere Anwendung des Produkts. Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt, darunter die US-amerikanische EPA, die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, die europäische Chemikalienagentur, das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung und viele andere haben festgestellt, dass glyphosatbasierte Herbizide nicht krebserregend sind. In der größten jemals durchgeführten epidemiologischen Studie, der im Jahr 2018 im Journal of the National Cancer Institute veröffentlichten U.S. Agricultural Health Study, wurde kein Zusammenhang zwischen der sachgerechten Anwendung von glyphosatbasierten Herbiziden und dem Non-Hodgkin-Lymphom nachgewiesen. Die Studie beinhaltete eine Verlaufsbeobachtung von rund 50.000 Anwendern von Pflanzenschutzmitteln und landwirtschaftlichem Personal sowie deren Partnern über mehr als 20 Jahre.

Wir empfinden tiefes Mitgefühl für den Kläger, Herrn Johnson, und seine Familie, doch glyphosatbasierte Herbizide sind nicht für seine Krebserkrankung verantwortlich. Das Urteil der Jury in diesem Fall steht im Widerspruch zur Gesamtheit der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Wir werden Rechtsmittel einlegen, und wir sind zuversichtlich, dass das Urteil letztlich keinen Bestand haben wird.

Behauptung: „Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagt, dass Glyphosat krebserregend sei.“
Glyphosat wurde in vier verschiedenen WHO-Programmen bewertet. Drei der WHO-Programme (das Joint FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues, das International Programme on Chemical Safety und die Guidelines for Drinking-Water Quality) haben übereinstimmend mit den Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt festgestellt, dass Glyphosat nicht krebserregend ist. Die einzige Ausnahme bildet die internationale Krebsforschungsagentur (International Agency for Research on Cancer, IARC), die im Jahr 2015 Glyphosat in einer Stellungnahme als „wahrscheinlich karzinogen“ einstufte – wie übrigens auch rotes Fleisch und heiße Getränke. Die Stellungnahme der IARC steht im Widerspruch zu 40 Jahren wissenschaftlicher Forschung zu Glyphosat und den Schlussfolgerungen der US-amerikanischen EPA, der US-amerikanischen Nationalen Gesundheitsinstitute, der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung und der Aufsichtsbehörden weltweit.

Behauptung: „Monsanto wurde für ,schuldig‘ befunden, Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit Glyphosat zu verbergen.“
Es handelte sich hier um ein Jury-Urteil in einem Zivilprozess, in der es um eine Frage der Haftung (nicht um Schuld oder Unschuld) ging. Bayer wird das Gerichtsurteil anfechten. Es steht im Widerspruch zur Gesamtheit der wissenschaftlichen Erkenntnisse über Glyphosat.

Behauptung: „Das Urteil im Fall Johnson ist rechtskräftig.“
Das Urteil einer Geschworenen-Jury von Anfang August 2018 war eine erstinstanzliche Entscheidung, d. h., sie stellt nur den ersten Schritt eines Rechtsverfahrens dar. Wir werden Rechtsmittel einlegen und gegebenenfalls in Berufung gehen.

Behauptung: „Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat ist einer nachhaltigen Landwirtschaft nicht zuträglich.“
Chemische und biologische Pflanzenschutzmittel sind ein wesentlicher Bestandteil einer modernen, nachhaltigen Landwirtschaft. Pflanzenkrankheiten, verursacht durch Pilzerreger, Unkräuter und Schädlinge gehören zu den größten Herausforderungen, mit denen Landwirte jedes Jahr umgehen müssen. Landwirte auf der ganzen Welt setzen auf Glyphosat, um ihre Unkräuter sicher und effektiv zu bekämpfen. Glyphosatbasierte Herbizide haben darüber hinaus dazu beigetragen, dass Verfahren wie „Direktsaat“ oder „konservierende Bodenbearbeitung“, die Erosion und Kohlenstoffemissionen reduzieren, großflächig eingesetzt werden können. Aufsichtsbehörden weltweit haben strenge Vorschriften bezüglich des Einsatzes erlassen, um sicherzustellen, dass Pflanzenschutzmittel keine unvertretbaren Risiken für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt darstellen. Informationen über die Überprüfung von Glyphosat durch die Aufsichtsbehörden sind auf den jeweiligen Websites verfügbar. Wir empfehlen jedem, der Fragen zu Pflanzenschutzmitteln hat, sich an die zuständigen nationalen Behörden, die Hersteller und deren Verbände oder auch an landwirtschaftliche Organisationen wie den deutschen Bauernverband zu wenden, um zu verstehen, warum diese Mittel so wichtig für eine nachhaltige Landwirtschaft sind.

Behauptung: „Die Sicherheit von Glyphosat wird schon seit vielen Jahren infrage gestellt.“
Die nationalen Aufsichtsbehörden weltweit bewerten das Sicherheitsprofil von Glyphosat seit Jahrzehnten und stellen einheitlich fest, dass glyphosatbasierte Produkte bei sachgerechter Anwendung sicher und nicht krebserregend sind.

Gerichtlich angefochten wurde die Sicherheit von Glyphosat im Wesentlichen erst nach der IARCStellungnahme aus dem Jahr 2015. Damals fingen Klägeranwälte in den USA an, die IARC-Stellungnahme als Grundlage für Werbung zu verwenden, um Mandate zu gewinnen.

Behauptung: „Monsanto bezahlte Blogger und andere Online-Aktivisten, um Wissenschaftler zu diskreditieren.“
Diese Behauptung ist schlicht falsch, und die Mitarbeiter haben dies unter Eid bezeugt. Wir nehmen die Sicherheit unserer Produkte sehr ernst. Sollten wir bemerken, dass in den Medien falsche oder irreführende Informationen verbreitet werden, suchen unsere Mitarbeiter den Dialog und bringen unsere Sicht der Dinge ein – offen und transparent. Wir stellen wissenschaftliche Genauigkeit in den Mittelpunkt. Wir möchten sicherstellen, dass jeder – von Aufsichtsbehörden über Kunden bis hin zu den Verbrauchern – über genaue und ausgewogene Informationen verfügt, um Entscheidungen über unsere Produkte treffen zu können.

Behauptung: „Monsanto hinderte ein Labor namens TNO daran, eine zusätzliche Untersuchung durchzuführen, da Monsanto ein negatives Ergebnis befürchtete.“
Diese Behauptung ist falsch. Die hier angesprochene TNO-Studie war mangelhaft. TNO räumte diese Mängel in seinem Bericht ein und teilte mit, die Untersuchung sei nicht für die Einreichung von Zulassungsanträgen geeignet.

Behauptung: „Monsanto hat wissenschaftliche Evidenz zurückgehalten, die einen möglichen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs zeigte.“
Bayer hat keine Anhaltspunkte dafür, dass Monsanto wissenschaftliche Ergebnisse zurückgehalten hat. Wir bewegen uns in einer stark regulierten Branche und konzentrieren uns auf die Durchführung belastbarer wissenschaftlicher Studien, die notwendig sind, um die Zulassung zum Inverkehrbringen von Produkten zu erhalten, die sowohl sicher als auch wirksam sind. Fundiertes wissenschaftliches Handeln steht im Mittelpunkt unserer Aktivitäten. Dabei ist unser zentrales Ziel unverändert, Landwirten Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, mit denen sie ihren Anbau effizient und nachhaltig gestalten können.

In Bezug auf Glyphosat führte Monsanto mehr Studien zu verschiedenen Sicherheitsaspekten (Genotoxizität, dermale Absorption, Immuntoxizität, akute Toxizität und andere Faktoren) durch, als für die Erlangung und Aufrechterhaltung der Zulassungen erforderlich gewesen wären. Darüber hinaus ist Monsanto nur einer von vielen verschiedenen Herstellern von glyphosatbasierten Herbiziden, und ein Großteil der wissenschaftlichen Erkenntnisse, die die Sicherheit von Glyphosat untermauern, stammt von anderen Unternehmen. Dies betrifft sechs von sieben vollständigen regulatorischen Datensätzen, die von anderen Unternehmen erarbeitet wurden und diesen gehören. Die Aufsichtsbehörden haben Zugriff auf all diese Daten.

Behauptung: „Monsanto organisierte eine Kampagne, um eine Zeitschrift dazu zu veranlassen, einen ungünstigen Bericht über Glyphosat zurückzuziehen.“
Die betreffende Abhandlung von Gilles-Eric Seralini aus dem Jahr 2012 wies gravierende Mängel in der Analyse auf, und zahlreiche Mitglieder der wissenschaftlichen Gemeinschaft, darunter auch MonsantoWissenschaftler, äußerten gegenüber dem Herausgeber der Zeitschrift berechtigte Bedenken. Am Ende lag die Entscheidung, die Abhandlung zurückzuziehen, allein bei der Zeitschrift. Die Aufsichtsbehörden – und sogar die IARC – teilten die Ansicht, dass es sich bei der Abhandlung um eine mangelhafte Publikation handelte.

Behauptung: „Wissenschaftler von Monsanto waren ,Ghostwriter‘ von Sicherheitsstudien über Glyphosat.“
Diese Behauptung ist falsch. Die Klägeranwälte greifen aus mehr als 15 Millionen Dokumentenseiten, die während des sog. Discovery-Verfahrens, d.h. der Herausgabe von Dokumenten wie z.B. E-Mails an die Gegenseite, herausgegeben wurden, einzelne E-Mails heraus, um die wissenschaftlichen Aufzeichnungen und die Rolle von Monsanto verzerrt darzustellen. Die von den Klägern hervorgehobenen E-Mails bezogen sich auf von Monsanto finanzierte Übersichtsartikel – also auf Sekundärliteratur und nicht auf Originalstudien oder Forschungsergebnisse. Die Finanzierung durch das Unternehmen sowie eine etwaige Beteiligung von Monsanto-Wissenschaftlern werden in jedem Artikel vorschriftsmäßig offengelegt. Darüber hinaus haben die Autoren dieser Übersichtsartikel in Übereinstimmung mit den Aussagen der Monsanto-Wissenschaftler jede Unterstellung von Ghostwriting zurückgewiesen.

Insgesamt waren Wissenschaftler von Monsanto nur an einem Bruchteil der überwältigenden wissenschaftlichen Forschungsaktivitäten zu Glyphosat beteiligt. Alle Studien, die zu Zulassungszwecken eingereicht werden, müssen nach den international anerkannten Standards der Guten Laborpraxis durchgeführt und Routineprüfungen unterzogen werden.

Behauptung: „Dieses Gerichtsurteil könnte die Zulassungen von glyphosatbasierten Produkten gefährden.“
Die Entscheidung der Jury ändert nichts an den strengen wissenschaftlichen Untersuchungen und Daten, die ergeben haben, dass Glyphosat bei bestimmungsgemäßer Verwendung sicher und nicht krebserregend ist. Es ändert in keiner Weise die hinter jeglichen Produkten stehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse oder deren Registrierungsstatus. Zahlreiche Aufsichtsbehörden, einschließlich des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung, haben diesen Sachverhalt nach der IARC-Bewertung – auf der der Fall des Herrn Johnson zum Großteil basierte – geprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass Glyphosat sicher eingesetzt werden kann und nicht krebserregend ist.

Behauptung: „Es gibt eine als ,entlarvend‘ bezeichnete E-Mail einer Monsanto-Wissenschaftlerin, in der sie schreibt, sie könne nicht sagen, dass Roundup keinen Krebs verursache.“
Das ist falsch. Aus dem vollständigen Text der E-Mail, anderen Dokumenten und allen Zeugenaussagen geht deutlich hervor, dass Monsanto nicht glaubte oder vermutete, dass Roundup oder der Wirkstoff Glyphosat krebserregend seien.

Behauptung: „Monsanto ignorierte den Rat von Dr. James Parry, zusätzliche Studien über glyphosatbasierte Formulierungen durchzuführen.“
Das ist falsch. Zwar hat Dr. Parry anfänglich Fragen zur genotoxischen Wirkung von Roundup aufgeworfen, doch nachdem Monsanto die von ihm vorgeschlagenen zusätzlichen Studien und weitere Analysen durchgeführt hatte, stimmte er voll und ganz mit Monsanto überein, dass die Effekte künstlich und unter realen Bedingungen nicht relevant waren. Die Ergebnisse der zusätzlichen Studien von Monsanto wurden im Journal of Agricultural and Food Chemistry veröffentlicht. Dies steht im Einklang mit den Erkenntnissen von Experten der Aufsichtsbehörden weltweit, die zu dem Schluss kommen, dass Glyphosat und glyphosatbasierte Formulierungen als nicht mutagen oder genotoxisch einzustufen sind.

Behauptung: „Glyphosatbasierte Formulierungen wurden nicht auf Karzinogenität untersucht.“
Umfangreiche Daten zeigen, dass glyphosatbasierte Formulierungen nicht krebserregend sind. Sowohl der Wirkstoff Glyphosat als auch die Tenside, die in den Formulierungen verwendet werden, wurden ausgiebig untersucht und als nicht krebserregend eingestuft. Zusätzliche Tests auf akute Toxizität, Gentoxizität, Immuntoxizität, dermale Absorption usw. werden am formulierten Produkt durchgeführt. Darüber hinaus wurde auch in der U.S. Agricultural Health Study aus 2018 kein Zusammenhang zwischen glyphosatbasierten Herbiziden und Krebs nachgewiesen. Diese Studie untersuchte die praktische Anwendung von formulierten Produkten und nicht nur des Wirkstoffs Glyphosat.