Warum verbietet die Molkerei Berchtesgadener Land Bauern den Einsatz von Glyphosat?

Die Debatte um das Pflanzenschutzmittel Glyphosat treibt mitunter kuriose Blüten. Eine bayerische Molkerei nutzte den Streit um die Wiederzulassung des Herbizids in Deutschland in den vergangenen Monaten sogar für kräftiges Eigenmarketing. Hier lesen Sie mehr zu den Hintergründen.

Im Oktober 2017 wurde auf EU-Ebene und in Deutschland intensiv um die erneute Zulassung des Herbizids Glyphosat diskutiert. Auch die Milchwerke Berchtesgadener Land mischten sich medienwirksam in die Diskussion ein. Das Unternehmen wolle „ein eindeutiges Zeichen setzen“, schrieb Geschäftsführer Bernhard Pointner in einer Pressemitteilung. „Als erste und einzige Molkerei national empfehlen Vorstand und Geschäftsführung dem Aufsichtsrat den Einsatz von Glyphosat sofort zu untersagen.“ Dies sei, so Pointner, „ein wesentlicher Schritt für die Interessen der Verbraucher“. Quelle

Einen Tag später, am 25. Oktober, konnte Pointner Vollzug melden. Mit sofortiger Wirkung werde den 1.800 Mitgliedern „die Anwendung jeglicher Totalherbizide in Grünland- und Ackerbaubehandlung verboten“. Quelle

Ein Schritt, der durch zahlreiche Medien ging. Wenig später ließ Pointner verlauten: „Mit dem Verbot von Totalherbiziden hat Berchtesgadener Land erst kürzlich als erste Molkerei gezeigt, wie eine verantwortungsvolle Landwirtschaft geht.“ Quelle

Deutlichen Widerspruch legte dann aber Ingo Müller ein. Der Chef von Deutschlands größtem Molkereiunternehmen DMK antwortete auf die Frage der Neuen Osnabrücker Zeitung, was er vom Glyphosat-Verbot der Kollegen halte: „Ein Übergang von Glyphosat aus Futtermitteln in die Milch von Kühen wurde bisher nicht nachgewiesen. Entsprechend wurden in den mehreren hundert Untersuchungen des Milchindustrie-Verbandes und seiner Mitglieder auch kein Glyphosat in Milch und Milchprodukten festgestellt.“ Aus diesen Gründen gebe es für ihn „nicht die Notwendigkeit effekthascherisch aktiv zu werden“. Quelle

Moment mal. Effekthascherisch? Diese Aussage regt zum Nachdenken an. Die Kühe der Berchtesgadener Bergbauern fressen ja vor allem „vielfältige Gräser, seltene Kräuter und kräftiges Almheu“, wie die Milchwerke auf ihrer Internetseite betonen. Also kein Mais, kein Raps, keine Kartoffeln. Wozu also sollten die Bergbauern überhaupt ein Herbizid wie Glyphosat und die damit bezweckten unkrautfreien Äcker benötigen?

Deshalb fragte Bayer bei Geschäftsführer Pointner nach und bat um Antworten auf folgende Fragen:

  • Welche genauen Auswirkungen auf den Menschen und die Umwelt hat ein Glyphosateinsatz nach Auffassung der Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG?
  • Welche wirtschaftliche Bedeutung hatte Glyphosat bis zum Verbot im Herbst 2017 für sie?
  • Zu welchem Zweck wurde Glyphosat von den Lieferbetrieben bis zum Verbot durch die Molkerei eingesetzt?
  • Gab es in der Vergangenheit Milchproben der Milchwerke Berchtesgadener Land, in denen Glyphosat nachgewiesen werden konnten?

Leider hat uns Bernhard Pointner ausrichten lassen, dass er nicht beabsichtigt, unsere Fragen zu beantworten. Wir meinen: Schade! Wieder ist eine Chance vertan, ernsthaft, konstruktiv und sachlich über eine nachhaltige Landwirtschaft der Zukunft zu diskutieren.