Was hat Glyphosat in Lebensmitteln zu suchen?

In den vergangenen Jahren gab es vermehrt Meldungen zu Glyphosatspuren in Lebensmitteln wie Teigwaren, Bier oder Haferflocken. Dies hängt aber nicht damit zusammen, dass Bauern weniger sorgsam mit Glyphosat umgehen. Die häufigeren Nachweise sind vielmehr auf den enormen technischen Fortschritt in der Analysetechnik zurückzuführen. Mittlerweile ist es möglich, den Bruchteil eines Zuckerwürfels im Bodensee analytisch zu messen.

Die Regulierungsbehörden beispielsweise in Europa und den USA haben strenge Grenzwerte festgelegt, was Rückstände von Pestiziden betrifft, mit denen Menschen in Berührung kommen dürfen. Dabei haben sie einen Sicherheitspuffer mit Faktor 100 eingebaut, d.h die zulässigen Höchstwerte müssen ein Hundertfaches unterhalb des Wertes liegen, bei dem es nachweislich keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit gibt.

Die Existenz solcher Grenzwerte, die zum Schutz der menschlichen Gesundheit sehr konservativ angesetzt werden, wird häufig bei der Verkündung von gefundenen Rückstandsmengen unterschlagen. Mitunter machen Kritiker gar keine konkreten Mengenangaben, wenn sie darüber berichten, Glyphosatrückstände in Lebensmitteln gefunden zu haben. In der Regel bewegen sich die gefundenen Mengen im Mikrogrammbereich, das ist der millionste Teil eines Grammes oder 0,000001 Gramm. Von derartig geringen Konzentrationen gehen keine gesundheitliche Risiken aus. Quelle Im Übrigen weist Glyphosat für den Menschen eine geringere Toxizität als beispielsweise Kochsalz oder Backpulver auf.

Trotzdem versuchen interessierte Kreise immer wieder den Eindruck zu erwecken, dass minimalste Rückstände von Glyphosat in Lebensmitteln ein Gesundheitsproblem bedeuten würden. So wies die amerikanische Organic Consumers Association (OCA), seit langem bekannt nicht nur für ihren Kampf gegen Monsanto, sondern auch gegen Chemotherapie und Schutzimpfungen, 2017 Glyphosatrückstände in Ben & Jerry’s-Speiseeis nach. Die gefundenen Mengen waren jedoch so gering, dass eine Person 145.000 Portionen Eiscreme pro Tag essen müsste, um den von der US-Umweltbehörde (EPA) festgelegten Grenzwert zu erreichen. Quelle

Das Umweltinstitut in München fand im Jahr 2016 in mehreren deutschen Bieren Rückstände von Glyphosat. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wies in diesem Fall darauf hin, „dass ein Erwachsener an einem Tag rund 1.000 Liter Bier trinken müsste, um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen“. Quelle Sophia Guttenberger vom Umweltinstitut erklärte trotzdem, dass ein „Stoff, der wahrscheinlich krebserregend ist, (…) weder im Bier noch in unserem Körper etwas verloren“ habe. Quelle Wenn man auf die Einstufung von Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ durch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hinweist, gehört aber der Vollständigkeit halber immer der Zusatz dazu, dass die IARC bei ihrer Bewertung die tatsächliche Exposition gegenüber Glyhosat gar nicht berücksichtigt hat. Sie bewertet lediglich das grundsätzlich mögliche Gefährdungspotential eines Stoffs, nicht jedoch das Risiko, d.h. die Wahrscheinlichkeit eines Auftretens von Krebs infolge der tatsächlichen Exposition gegenüber dem Stoff. Eine solche Risikobewertung wird jedoch von unabhängigen staatlichen Regulierungsbehörden vorgenommen, die die Sicherheit von Pflanzenschutzmitteln prüfen und dabei nicht nur Zugang zu veröffentlichten Studien, sondern auch zu sämtlichen Zulassungsstudien haben. Diese Behörden sind auch nach der Bewertung von Glyphosat durch die IARC immer wieder zu dem Ergebnis gekommen, dass Glyphosat sicher und nicht krebserregend ist.

Übrigens: Die IARC bewertet auch heiße Getränke, rotes Fleisch und vieles mehr als „wahrscheinlich krebserregend“. Alkohol in Bier, Wein oder anderen Getränken sogar als „krebserregend“ – immer abhängig von der Dosis. Eine Forderung des Umweltinstituts auf derartige Produkte zu verzichten, gibt es allerdings nicht. Die Begründung: Der Konsum ließe sich bei entsprechender Aufklärung schließlich vermeiden.

Glyphosatrückstände in Babywindeln

Für Aufsehen sorgten im Januar 2019 auch Glyphosat-Rückstände in Babywindeln, die vermutlich aus der für die Windeln verwendeten Baumwolle stammen. Die französische Agentur für Lebensmittel- und Umweltsicherheit ANSES hatte in verschiedenen Untersuchungen eine ganze Reihe von Chemikalien gefunden, die in der Tat die gesetzlichen Grenzwerte teilweise überschritten. Dazu gehörten unter anderem manche Parfüme. Glyphosat wurde bei den drei vorgenommenen Untersuchungen dagegen entweder gar nicht oder nur in so winzigen Spuren nachgewiesen, dass es sich kaum quantifizieren ließ. Auch in der Pressemitteilung von ANSES war Glyphosat mit keinem Wort erwähnt. Quelle

Dennoch konzentrierten sich die mediale Berichterstattung und öffentliche Aufmerksamkeit fast ausschließlich auf Glyphosat und kaum auf Stoffe, die ANSES in weitaus höheren und damit bedenklichen Konzentrationen gefunden hatte.